Call of Duty: Vater zeigt seinen Kids wirklichen Krieg

Der deutsche Jugendschutz in Sachen Videospiele gilt an einer der strengsten weltweit. Spiele werden vor dem Erscheinen sehr genau unter die Lupe genommen, so dass bedenkliche Spiele keinesfalls in die Hände von minderjährigen gelangen können – was auch sehr sinnvoll ist. Es gibt diverse Titel in der Vergangenheit, die schlicht viel zu brutal sind oder seltsame Werte transportieren. Die Hauptverantwortung liegt dennoch immer bei den Eltern. Auch ich kann mich noch sehr gut an die Diskussionen mit meinen Eltern über Videospiele mit hohem Gehaltgrad erinnern, als ich noch ein Teenager war. Eltern müssen sich mit dem Thema Gewalt in Videospielen auseinandersetzen – zwar sind Videospiele keine Bruststätte für Amokläufer, aber dennoch haben sie definitiv (teilweise negativen) Einfluss auf Kids.

Die Call of Duty Serie ist jedes Jahr ein Topseller auf allen Systemen und auch oft Gesprächsthema in deutschen Klassenzimmern. Call of Duty war nie sonderlich zögerlich bei der Darstellung von Gewalt oder von merkwürdigen Charakteren, die gerne mal moralische Grenzen weit überschreiten. Man erinnere sich an die Flughafen Szene in einem der Ableger – Amoklaufen in einem Flughafen-Terminal. Zwar fehlt diese Szene in der deutschen Version, aber es zeigt in welche Richtung Call of Duty bei der Story geht. Das Spiel gehört also nicht in die Hände von 10jährigen Kindern.

Was ist Krieg wirklich?

Genau das dachte sich auch der schwedische Journalist und Dozent an einer Universität Carl-Magnus Helgegren und erläuterte seine Herangehensweise in einem Interview gegenüber thelocal.se.

Seine beiden Söhne sind 10 und 11 Jahre alt und bettelten ihren Vater ständig an auch Call of Duty spielen zu dürfen. Eine Situation die wahrscheinlich viele Eltern kennen. Seine Söhne erzählten ihm von dem Spiel, von den Waffen und den Missionen.

Helegren selbst arbeitete in seinen jüngeren Jahren in den Krisengebieten des mittleren Ostens als freiberuflicher Journalist und erlebte jene Waffen und Missionen hautnah – keine schönen Erinnerungen. Bevor er seine Entscheidung traf dort zu arbeiten kannte er den Krieg nur aus dem TV. Der Krieg in der Realität unterscheidet sich natürlich drastisch von dem, was wir aus TV und Spielen kennen.

Näher kommt man als Tourist nicht an den Krieg heran

Normal sollte man nun erwarten, dass der Vater auf Grund seiner eigenen Erfahrungen seinen Jungs das Spiel verbieten würde. In seinem Fall wäre es sogar doppelt nachvollziehbar, den er weiß was Krieg wirklich ist. Doch Helegren entschied sich für einen anderen Weg und machte mit seinen Kids einen Deal: Er würde mit seiner Familie in eine Stadt reisen, die von einem Krieg betroffen ist und seine Kinder würden Interviews mit Soldaten und Betroffenen führen und ein Flüchtlingslager aufsuchen. Bei ihrerer Rückkehr können sie dann jedes Spiel spielen, dass sie sich wünschten.

Eine sehr drastische Maßnahme und man könnte an diesem Punkt einbringen, dass sowas 10-11jährige Kinder stark traumatisieren könnte. Mit seiner Familie reiste er daraufhin nach Israel und die palästinischen Grenzgebiete – ein echtes Kriegsgebiet. Dort sahen die Kinder alle Effekte eines Krieges mit eigenen Augen: Drogenhandel direkt neben einer Schule, Kinder die von Gewehrkolben verursachte Wunden flicken lassen und erschütterte Familien. Er selbst beschrieb den 10 Tage andauernden Trip als stellenweise „tought“ – hart.

Auch die politische Situation Israels versuchte er seinen Kindern zu vermitteln und das die Sichtweisen von Israel als Land  und den israelischen Menschen teilweise unterscheiden würde. Ich wüsste nicht, wie ich einem 10jährigen Kind versuchen würde, so etwas wie den Israel / Gaza Konflikt zu vermitteln.

Bei der Rückkehr nach Schweden fragte er seine Kinder erneut, ob sie denn weiterhin derartige Spiele konsumieren wollen. Diese verweigerten es, was man auch nachvollziehen kann. Die sehr unkonventionelle Erziehungsmaßnahme zeigte also Wirkung, denn die Kinder konnten sich ihre eigene Meinung über den Krieg bilden.

Europa habe naive Sicht auf den Krieg

Laut dem schwedischen Journalisten hagelte es eine Menge Kritik gegenüber diese Aktion, da es natürlich sehr gefährlich für die Kinder sei in einer derartigen Region zu sein und man sie damit traumatisieren könne. Der Journalist merkte dabei an, dass diese Aussagen meist von Erwachsenen ohne Kindern kamen. Die überwiegender Mehrheit der Zuschriften fielen jedoch positiv aus gegenüber seiner Erziehungsmaßnahme.

In Europa hätten wir das Glück, dass der Krieg für uns etwas abstraktes und weit entferntes sei. Wir leben im Luxus, haben gute soziale Netze / Dienste und wären abgesichert. Krieg fände nur im Fernsehen und Videospielen statt und meist in geschönter Form. Deswegen hätten wir die Verantwortung und selbst weiterzubilden und nicht stumpfe Zombies zu werden, die Videospiele konsumieren und Hamburger essen würden.

Viele Eltern wären zu konfliktscheu und Videospiele hätten schon immer den Ruf gehabt ein guter Babysitter zu sein. Außerdem wären Eltern oftmals zu passiv und nachsichtig – die Kinder würden zu sehr geschont werden und somit quasi von der Realität abgeschirmt.

Kinder für derartige Dinge zu sensibilisieren ist auf jeden Fall richtig, aber muss man deswegen direkt in ein Kriegsgebiet reisen und 10jährigen Jungs so etwas hautnah zeigen? Ich würde es nicht machen, wenn ich denn Kinder hätte. Seine Aktion fand sehr viel Zuspruch.

Sein letzter Satz im Interview stimmt sehr nachdenklich:

 

„Sweden is a nation which hasn’t been at war for centuries. Our notion of war is naive. While our Swedish children play war and shoot digital missiles, Palestinian children are being blown up by soldiers in Gaza“

Carl-Magnus Helgegren Quelle: thelocal.se

 

Auf seinem Blog hat er seine Eindrücke zusammengefasst und einige Bilder dazu veröffentlicht. Wer möchte kann es sich hier anschauen.

Geschrieben von : Sebastian

29 Jahre alt mit großer Leidenschaft für Videospiele, gebürtiger Mittelhesse und Träumer. Fan von virtuellen Abenteuern seit frühster Kindheit und unverbesserlicher Optimist.Wer etwas will, findet Wege! Wer etwas nicht will findet Gründe!Fragen? Anregungen? Sonstiges? Kontakt: redaktion@karasugames.de

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