Was ist das Usenet?

Gehört haben schon viele davon. Allerdings wissen die meisten Nutzer nicht, was sich hinter dem Begriff Usenet tatsächlich verbirgt, geschweige denn, dass sie eine Vorstellung davon haben, was das Usenet tatsächlich ist.

Grundsätzlich ist das Usenet nicht das World Wide Web. Das Usenet ist viellmehr ein eigenständiges Netz, welches neben dem WWW exisitiert. Und ja, das Usenet ist wesentlich älter als das World Wide Web mit seinem unzähligen Webseiten, YouTube, Facebook und dergleichen.

Das dezentrale „schwarze Brett“

Am ehesten lässt sich das Usenet wohl mit einem gigantischen Forum bzw einem riesigen, digitalem schwarzem Brett vergleichen. In sogenannten Newsgroups finden unter den Nutzern Gespräche zu allen erdenklichen Themen statt. So kann jeder Nutzer in den Newsgroups Nachrichten hinterlassen auf die dann andere Nutzer antworten können. Die Newsserver des Usenet sind dabei sehr dezentral verteilt, was das Usenet ziemlich unempfindlich gegen technische Störungen oder gar Zensur macht.

Um allerdings auf das Usenet zugreifen zu können, benötigt man als Nutzer eine kleine Software, die sich Newsreader nennt. Im Netz finden sich hierzu einige kostenlose Tools.

Binary Groups und kommerzielle Zugangsprovider

Nun sind solche forenartigen Diskussionen natürlich nicht das einzige, was im Usenet passiert. Es lassen sich durchaus auch Binärdateien tauschen bzw herunterladen. Also Dateien und Programme.

Dies geschieht dann in sogenannten Binary Groups. Oftmals ist der Zugriff auf solche speziellen Newsgroups nur über die Server kommerzieller Usenet Provider möglich.

Das Problem der Binary Groups

Nun besteht hier natürlich die Möglichkeit in diesen Binary Groups auf Anhänge mit urheberrechtlich geschützten Inhalten wie Filme, Musik und Games zu versenden bzw herunterzuladen. Hieraus ergibt sich dann grundsätzlich eine ähnliche rechtliche Problematik wie beim Filesharing. Die Provider berufen sich dabei allerdings darauf, dass sie reine Zugangsanbieter seien und somit für die verbreiteten Inhalte und Dateien keine Verantwortung zu tragen haben.

Die Usenet-Provider in Deutschland sind per Rechtsprechung allerdings angehalten, bei Kenntnis von rechtswidrigen Inhalten diese zu sperren. Allerdings bestehe keine umfassende Kontrollpflicht seitens der Usenet-Provider, da dies den zumutbaren Aufwand aufgrund der dezentralen Struktur des Usenets übersteige.

Der gesunde Menschenverstand

Darf man als normaler Nutzer also guten Gewissens das Usenet nutzen oder sich sogar bei einem kommerziellen Provider anmelden. Ja, man darf es. Das Usenet an sich ist keine illegale Angelegenheit. Man hat also rechtlich zunächst mal rein gar nichts zu befürchten. Natürlich darf man auf gar keinen Fall urheberrechtlich geschütztes Material (Filme, Games, Software) verbreiten. Das wäre dann nämlich definitiv illegal.

Auch beim Download von Dateien sollte man vorsichtig sein und die Finger von solch illegalen Dateien lassen. Oftmals hilft hier bei der Erkennung schon der gesunde Menschenverstand. Filme (sind meist eh urheberrechtlich geschützt), die aktuell noch im Kino laufen und die man trotzdem schon downloaden kann, sind ganz sicher illegal. Gleiches gilt für Blockbuster Games, die gerade auf den Markt gekommen sind und normalerweise einige Euros kosten würden. Werden diese zum Download angeboten, kann man sicher sein, dass diese offensichtlich illegal angeboten werden.

Games downloaden – das geht auch im Usenet legal

Allerdings lassen sich im Usenet auch eine ganze Reihe Dateien und Games finden, die sich vollkommen legal downloaden lassen. Hierzu zählen zum Beispiel Game Demos, welche oftemal zu Marketingzwecken verteilt werden und Lust auf die Vollversion des Spiels machen sollen. Und natürlich setzt sich bei vielen Games auch das „Free to Play“ Prinzip durch. Diese finanzieren sich in der Regel durch sogenannte InGame-Micropayments der Nutzer, die zum Beispiel virtuelle Gegenstände im Spiel kaufen. Das eigentliche Game lässt sich deshalb kostenlos downloaden und auch nutzen. Vollkommen legal.

Beachtet man also das Urheberrecht und schaltet den gesunden Menschenverstand nicht einfach aus, kann das Usenet durchaus eine tolle Sache sein. Auch wenn sein Ruf in den letzten Jahren leider etwas gelitten hat.

Die „Killerspiel“ Diskussion und was daraus wurde

Vor ein paar Jahren war aufgrund eines Schul-Amoklaufs ein Schlagwort in aller Munde: Killerspiele! Gemeint waren damit in erster Linie sogenannte Ego Shooter. Diese wurden von Politik und Medien pauschal für Amokläufe und Gewalttaten unter Jugendlichen verantwortlich gemacht. Schließlich trainiere man ja mit Counterstrike und Co das „Töten“.

Ego Shooter und Gewalt – Kein Zusammenhang nachweisbar

Dabei wurde gerade von Politikern eine ganze Reihe populistischer Unsinn verbreitet, der so einfach nicht haltbar war. Fakt ist nämlich, dass bislang keine seriöse wissenschaftliche Untersuchung einen direkten Zusammenhang zwischen Gewaltaten und Ego-Shootern nachweisen konnte. Oder anders ausgedrückt, der Konsum von „Killerspielen“ führt in der Regel nicht zu einer Verhaltensänderung des Spielers.

Game Inhalte, die es nicht gibt

Aber auch was den Inhalt dieser Games angeht, wurden viele Horror-Märchen in den Medien verbreitet. Von zerfetzten Leichen, gespielten Vergewaltigungen und Töten als oberstes Ziel in Games wie GTA war da zum Beispiel die Rede. Inhalte, die so einfach nicht vorkamen. Diese Aussagen führten gerade unter jugendlichen Gamern dazu, sich zu fragen, was die Politik da für einen „Unsinn“ erzählt. Und Politiker, die erkennbar Falsches und Unsinn erzählten, trugen ganz sicher einen Teil zur Politikverdrossenheit unter Jugendlichen bei.

Jurastudent widerlegt Medienaussagen

Welch Unsinn hier durch die Medien geisterte zeigte Gamer und Jurastudent Matthias Dittmayer in diesem YouTube-Video auf:

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Einen genaueren Überblick über die damalige Diskussion und was daraus wurde, zeigt ein Artikel auf Spiegel Online! Vor allem zeigt dieser auch, dass es noch immer Politiker, wie Wolfgang Bosbach, gibt, die noch immer auf ihrem gestrigen Standpunkt bestehen.