Metacritic – einflussreiches Wertungsportal analysiert

Metacritic ist die unangefochtene Nummer 1, wenn es um Vergleiche und Durchschnittswertungen von diversen Spielemagazinen geht. Wer bei Steam ein Spiel kauft entdeckt sehr oft die Metacritic-Wertung auf der Shop-Seite. Auch viele Spieler schauen vor dem Kauf eines Spiels bei Metacritic vorbei und informieren sich über die globalen Wertungen und die Durchschnittswertungen von Spielen. Allerdings handelt es sich bei diesem Wert um keine durchschnittliche Wertung, sondern um einen gewichteten Durchschnitt – manche Magazine haben einen größeren Einfluss bzw. Gewicht, als andere. Und genau über diesen Einfluss machen die Betreiber der Seite seit jeher ein Geheimnis.

Nun aber hat sich eine Studentengruppe rund um Adams Greenwood-Ericksen von der amerikanischen Full Sail University in Florida damit einige Monaten beschäftigt. Laut gamasutra.com habe das Team mit Hilfe von statistischen Methoden versucht, die Gewichten rückwärts zu ermitteln. Dabei erwies sich das Modell auf Basis von 188 erfassten Magazinen fast immer als korrekt erwiesen bei späteren Wertungen. 

Die New York Times, Wired und IGN seien die Magazine mit dem höchsten Einfluss, dennoch ist immer noch nicht klar wie und weshalb die diversen Magazine eingestuft werden. Teilweise werden lokalisierte Testmagazine höher eingestuft, obwohl es sich nur um Tochter-Unternehmen von internationalen Magazinen sind.

Einfluss auf Boni und Verkäufe

Es ist außerdem bekannt, das manche Spiele-Entwickler und Publisher Boni-Zahlungen von einer Metacritic-Wertungen abhängig machen. Außerdem stellte die Gruppe um Adams Greenwood-Ericksenfest, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen Werungen und dem Absatz des Spiels auf dem Markt gebe. Produkte mit einer Wertung über 83%  würden deutlich bessere Verkaufszahlen erzielen. Allerdings betont das Team, dass es sich hier um eine Korrelation handele (0,72).

In der Branche ist es nicht unüblich, das gewisse Magazine von den Entwicklern bevorzugt werden, während andere mit Embargos belegt werden oder erst gar nicht mit Rezensionsexemplaren versorgt werden. Der Sinn dahinter ist oft, dass zuerst positive Wertungen in Umlauf kommen, was den Herstellern natürlich zu gute kommt. Einen weiteren Faktor den die Analysten in dem Zusammenhang entdeckten ist, dass die initialen Wertungen die folgenden Tests durchaus beeinflussen würden – stehen erstmal einige Wertungen, würden sich die anderen daran orientieren und sich die Wertungen nur noch geringfügig in dem gesetzten Spektrum bewegen.

 

Antwort von Metacritic

Metacritic hat mittlerweile ein offizielles Statement dazu veröffentlicht und erwartungsgemäß die Studie als unsinnig abgetan. Viele Magazine wären unter- oder überbewertet und außerdem würde es nicht so große Differenzen bei den Gewichtungen zwischen höchster und niedrigster Gewichtung geben. Laut der Analyse des Team liegt der maximale Unterschied bei dem Faktor 6, was aber laut Metacritic absurd sei und schlicht falsch / unwahr. Außerdem würde Metacritic die Einstufungen regelmäßig anpassen am Qualitätstrend der diversen Magazine.

Meiner Meinung nach besitzt Metacritic mittlerweile zu viel Einfluss auf die gesamte Branche und die Käufer und sollte deswegen mit offeneren Karten spielen. Ich erwischte mich auch oft dabei, dass ich vor dem Kauf auf Metacritic die diversen Rezensionen anschaute und mich auch an der Durchschnittswertung orientierte. Ein wenig mehr Transparenz wäre hier definitiv nicht schlecht, da erst vor kurzem die gesamte Spieletest-Branche in einer „Korruptions-Krise“ steckte – Hersteller beeinflussten Magazine und Redakteure sehr stark durch Geschenke und andere Vorteile. Da Spiele immer noch 50-70 Euro bei Erscheinen kosten, wäre ich als zahlender Kunde für ein wenig mehr Transparenz und unabhängige Tests sehr dankbar.

Geschrieben von : Sebastian

29 Jahre alt mit großer Leidenschaft für Videospiele, gebürtiger Mittelhesse und Träumer. Fan von virtuellen Abenteuern seit frühster Kindheit und unverbesserlicher Optimist.Wer etwas will, findet Wege! Wer etwas nicht will findet Gründe!Fragen? Anregungen? Sonstiges? Kontakt: redaktion@karasugames.de

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